Leitbild der Freien trans* Menschen Duisburg

Leitbild in einfacher Sprache

Einleitung
 

Warum braucht unsere Selbsthilfegruppe überhaupt ein Leitbild? Reicht es nicht, einfach für Menschen da zu sein? Diese Fragen habe ich mir gestellt, bevor ich beginnen konnte, diesen Text zu verfassen. Die Antwort ist überraschend einfach: Ja, Menschen brauchen Regeln und eine Richtung. Regeln können einschränken, aber sie geben auch Halt. Gerade trans* Menschen erleben in der Gesellschaft schon viele Grenzen. Deshalb sollen unsere Regeln nicht beschränken, sondern Raum schaffen. Sie sollen zeigen, was wir wollen und wie wir miteinander umgehen.


Unser Leitbild ist nicht für immer festgelegt. Es kann sich verändern, wenn sich Politik, Gesellschaft oder wissenschaftliche Erkenntnisse weiterentwickeln. Besonders beim Thema Trans* und Intergeschlechtlichkeit ist Klarheit wichtig.
 

Vision
 

Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der alle trans*, nicht-binären und intergeschlechtlichen Menschen anerkannt, respektiert und unterstützt werden. Unsere Gruppe soll ein sicherer Raum sein, in dem jede Person ihre Geschichte erzählen und wachsen kann – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Einschränkungen. Unser Ziel ist volle Inklusion.
Selbsthilfe – unsere Definition
Selbsthilfe bedeutet, dass Menschen sich selbst helfen. Das geht nur, wenn alle aktiv mitmachen. Unsere Gruppe arbeitet ehrenamtlich, doch beim Thema Geschlecht gibt es viele medizinische und soziale Fragen. Darum brauchen wir auch Fachwissen. Wir bieten trans*-Peer-Beratung, Beratung zu Intergeschlechtlichkeit, Coaching und Vermittlung. Außerdem organisieren wir Treffen, Vorträge, Infoveranstaltungen und nutzen die Schulungen des Paritätischen Verbandes.
 

Politische Haltung
 

Wir folgen einem humanistischen Weltbild und achten die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland. Antidemokratische oder faschistische Ideen haben bei uns keinen Platz. Religion spielt in unserer Gruppe keine Rolle.
Geschlechtsinkongruenz und Intergeschlechtlichkeit.


Wir nutzen bewusst den Begriff Geschlechtsinkongruenz aus der ICD-11. Alte Begriffe wie „Transsexualität“ oder „Geschlechtsidentitätsstörung“ sind stigmatisierend und nicht mehr wissenschaftlich korrekt. 

Unsere Gruppe setzt auf Inklusion: trans*, nicht-binär und intergeschlechtlich. Alle suchen ihren eigenen Weg zur Identität. Wir unterstützen jede Person dabei – ohne Bewertung. Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“. Jede Person entscheidet selbst, was für sie richtig ist.
Intergeschlechtlichkeit zeigt sich in vielen Formen. Oft erfahren Menschen erst spät, dass ihr Körper intergeschlechtlich ist. Wir wollen Wissen vermitteln, Kontakte ermöglichen, Austausch fördern und Unterstützung geben. So stärken wir Selbstbewusstsein und Lebensqualität.
 

Umgang in der Gruppe
 

Wir treffen uns monatlich und auch online im Chat oder auf Facebook. Diskussionen sollen sachlich geführt werden. Kommt es zu Konflikten, sprechen wir sie direkt an. Jede Meinung ist erlaubt, solange niemand verletzt wird. Wir nutzen gewaltfreie Kommunikation und respektieren Vielfalt. Diese Regeln gelten auch für öffentliche Aussagen über die Gruppe.
Öffentlichkeitsarbeit
 

Unsere Gruppe tritt öffentlich auf, um sichtbar zu sein. Das übernehmen die Leitung und freiwillige Mitglieder. Öffentlichkeitsarbeit macht unsere Angebote bekannt, sensibilisiert die Gesellschaft und baut Vorurteile ab. Inhalte im Internet oder in Aufklärung müssen immer mit Quellen und dem Namen der verantwortlichen Person versehen sein.

© Isabelle Ongena 2025

Leitbild der Freien trans* Menschen Duisburg

Vollständiges Leitbild in komplexer Sprache

Einleitung

 

Warum braucht es überhaupt ein Leitbild für eine Selbsthilfegruppe?

Warum ist es nicht genug, einfach für Menschen da zu sein?


Diese Frage musste ich mir stellen, bevor ich beginnen konnte, dies hier zu verfassen.
Die Antwort auf die Frage war schon ziemlich verblüffend und doch so simpel, aber „ja“, Menschen brauchen Regeln und natürlich auch eine Richtung. 

Entweder Regeln im Allgemeinen, und oder natürlich auch Regeln für sich selbst.
Es ist aber gar nicht so einfach, Regeln aufzustellen, besonders in Anbetracht der Einschränkungen, die Regeln mit sich bringen können. 

Deswegen habe ich beschlossen, dass die Regeln, die wir uns selbst geben möchten, eher Raum schaffen sollen als uns zu beschränken.
Beschränkungen erfahren trans* Menschen nämlich leider in unserer Gesellschaft genug und trotzdem, sollte es selbstverständlich sein, dass auch wir als Betroffene einen Handlungsrahmen haben.


Es sollte immer einen Gegenentwurf geben, besonders dann, wenn man in vielen Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt wird. 

Woher soll denn klar werden, was man selbst für sich und andere möchte, wenn man sich darüber keine Gedanken macht und es nicht ausspricht? Das sind Regeln.

Dennoch ist dieses Leitbild nicht in Stein gemeißelt und erhebt den Anspruch, flexibel zu sein und sich an politische und zeitgeschichtliche Einflüsse anzupassen. 

Auch die Anlehnung an aktuelle sozial-pädagogische, medizinische und generell wissenschaftliche Erkenntnisse ist ein Muss für uns. 

Dies ist vor allem der großen Verklärung, besonders zum Thema trans*- und Inter-geschlechtlichkeit geschuldet.
 

Vision


Wir streben eine Gesellschaft an, in der alle geschlechtsinkongruenten oder intergeschlechtliche Personen in ihrer Identität anerkannt, respektiert und unterstützt werden.

Wir möchten einen Raum schaffen, in dem sich jede*r sicher und wohlfühlt, um die eigene Geschichte zu teilen und zu wachsen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder körperlichen oder geistigen Defiziten. Volle Inklusion ist unser Ziel.


Definition des Begriffes der Selbsthilfe für unsere Gruppe


Da Selbsthilfe ein weiter Begriff ist und diese keine wirklich feste Definition erfährt, ist es uns wichtig, unsere Definition zu präzisieren. Selbsthilfe impliziert die Intention, sich selbst helfen zu wollen. 

Das setzt eine aktive Mitarbeit der Teilnehmenden an sich selbst voraus, denn im Gegensatz zu Dienstleistern ist Selbsthilfe zumeist eine ehrenamtliche Leistung. 

Da das Thema der Geschlechtsinkongruenz allerdings geprägt ist von vielen medizinischen und sozialen Einflüssen, ist eine gewisse Professionalisierung grundsätzlich aus unserer Sicht nicht zu vermeiden.

Wir bieten unseren Teilnehmenden eine qualifizierte trans*-PEER-Beratung an sowie qualifizierte Beratung für Intersexualität als auch qualifiziertes Coaching und Vermittlungsberatung . 

Netzwerk sowie Treffen, Vorträge, Infoveranstaltungen und das Programm und die Schulungen des Paritätischen sind ebenfalls ein Benefit für die Teilnehmenden.


Politische Ausrichtung der Gruppe


Wir folgen dem humanistischen Weltbild und richten uns nach der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland in allen Entscheidungen und auch in Bezug auf das in Erscheinung treten in der Öffentlichkeit als Gruppe. 

Demzufolge sind antidemokratische oder faschistoide Weltbilder mit unseren Grundsätzen nicht zu vereinbaren und haben keinen Platz bei uns. 

Eine theologische Grundhaltung ist in der Gruppe nicht vorhanden.


Kernthema Geschlechtsinkongruenz/Inter-geschlechtlichkeit


In Zeiten der Desinformation ist es wichtig, seinen Standpunkt klarzumachen und so verständlich und transparent zu werden. 

Deswegen haben wir uns entschieden, diesen Punkt gesondert herauszuarbeiten.


Wir machen bereits Gebrauch von dem neuen Begriff aus dem ICD-11, der Geschlechtsinkongruenz, dies machen wir ganz bewusst. 

Die Begriffe Transsexualität oder Geschlechtsidentitätsstörung oder Intersexuell sind behaftet mit gesellschaftlichen Stigmata und Ausgrenzung. 

Auch entsprechen sie nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft. 

Wir wollen die Gemeinsamkeiten sehen und fördern. 

Deswegen ist unsere Gruppe auf Inklusion aufgebaut. 

Egal, ob trans*-, nonbinär oder intergeschlechtlich, alle Gruppen des Spektrums eint ihre Suche nach der eigenen Identität o. Geschlecht und dem Weg dorthin. 

Dieser Weg ist das erklärte Ziel unserer Gruppe, er steht im Mittelpunkt und wir wollen alles Notwendige unternehmen, um jeder einzelnen Person die maximale Individualität für ihren Weg zu ermöglichen. 

Es gibt bei uns kein Besser oder Schlechter anhand des gewählten Weges. Bei uns zählt das, was jeder einzelne Teilnehmende für sich definiert. 

Gesellschaftliche Normen in der individuellen Betrachtung helfen uns einfach nicht oder nur sehr begrenzt weiter.
 

Inter-geschlechtlichkeit 

Inter-geschlechtlichkeit zeigt sich in vielfältigen Formen, die in der Öffentlichkeit bisher meist wenig bekannt sind. Oft erfahren Betroffene erst zufällig, dass ihr Körper intergeschlechtlich ist. Unser Ziel ist es, Menschen, die mit der Thematik Inter-geschlechtlichkeit konfrontiert sind, eine Ressource für Wissen, persönliche Kontakte, Kommunikation und Unterstützung zu bieten. Auf diese Weise möchten wir dazu beitragen, das Selbstbewusstsein und Empowerment der Mitglieder zu stärken und die Lebensqualität zu verbessern.


Umgang innerhalb der Gruppe


Es ist ebenfalls essenziell, sich Gedanken über den Umgang miteinander zu machen.

Neben dem monatlichen Gruppentreffen, begegnen wir uns im Chat der Gruppe und zum Teil auch auf Veranstaltungen, sowie auf der Facebook-Seite. 

Diskussionen sind sachlich und nicht emotional zu führen. 

Kommt es dennoch zu einer Verletzung, wird sich ausgesprochen und der Konflikt nicht verschleppt. 

Jeder hat ein Recht auf Meinung, solange niemand anderes dadurch verletzt oder ausgegrenzt wird. 

Wir versuchen uns der gewaltfreien Kommunikation zu bedienen und fördern dieses Konzept innerhalb der Gruppe. 

Anspruch auf die eigene Diversität kann nur fordern, wer auch bereit ist, die Diversität des Einzelnen anzuerkennen und den Raum dafür zu geben. 

Die Teilnehmenden erkennen diese Regeln an und wenden sie auch in Bezug auf öffentliche Äußerungen über die Gruppe an.


Öffentliche Kommunikation/PR


Die Freien trans* Menschen Duisburg SHG/Initiative, treten auch öffentlich für die Vision der Gruppe in Erscheinung. 

Protagonisten sind dabei immer die Leitungen der Gruppe und natürlich auch freiwillig agierende Teilnehmende der Gruppe.


Öffentlichkeitsarbeit dient einerseits dazu, die Gruppe sichtbar zu machen und so das Hilfsangebot bekannt zu machen. Außerdem dient sie der Sensibilisierung der Gesellschaft und dem Abbau von Hemmnissen in dieser.
Redaktionelle Inhalte im Internet oder in Bezug auf Aufklärung sind immer mit Quellen zu versehen und dem Namen der redaktionell verantwortlichen Person. 
 

© Isabelle Ongena 2025


 

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